24. Juni 2026
Akustik im Konferenzraum: eine Fallstudie (25 m²)
Es ist ein Termin, den fast jeder kennt: Sechs Personen sitzen um einen langen Tisch, eine siebte ist per Videokonferenz zugeschaltet. Der Raum sieht gut aus – Glasfront zum Flur, Parkett, eine klare, aufgeräumte Linie. Doch sobald zwei Leute gleichzeitig sprechen, wird es anstrengend. Stimmen verschwimmen, der zugeschaltete Kollege fragt zum dritten Mal nach, und am Ende eines 90-Minuten-Meetings sind alle erschöpft – nicht vom Inhalt, sondern vom Zuhören. Diese Fallstudie zeigt an einem konkreten 25-m²-Konferenzraum, woran das liegt, wie sich das Problem messbar machen lässt und was eine gezielte akustische Maßnahme bewirkt.
Hinweis zur Datenlage: Die nachfolgenden Nachhallzeit-Werte stammen aus einer Praxismessung des Herstellers Phoneon im realen Konferenzraum. Es handelt sich ausdrücklich um eine Herstellermessung, nicht um eine unabhängige wissenschaftliche Studie. Die zitierten Normwerte und akustischen Grundlagen sind dagegen allgemein anerkannt.
Die Ausgangslage: ein typischer Konferenzraum mit 25 m²
Der untersuchte Raum ist alltäglich und genau deshalb repräsentativ. Seine Eckdaten:
- Grundfläche: 25 m²
- Raumhöhe: 2,90 m (Volumen rund 72,5 m³)
- Möblierung: ein Konferenztisch und sechs Stühle
- Boden: Parkett – schallhart
- Fenster/Wände: glatte, reflektierende Flächen, kein Vorhang, keine textile Dämpfung
Akustisch ist das eine ungünstige Kombination. Glas, glatte Wände, Parkett und eine ebene Tischplatte sind alle schallhart – sie absorbieren kaum Schallenergie, sondern werfen sie zurück. Genau diese Materialien wirken optisch hochwertig, verschlechtern aber regelmäßig die Hörsamkeit. Es fehlt schlicht an absorbierender Fläche, die den Schall „schluckt“. Wer tiefer in die Grundlagen einsteigen möchte, findet sie in unserem Leitfaden zur Raumakustik; speziell für Arbeitsumgebungen lohnt der Beitrag Raumakustik im Büro verbessern.
Das Problem messbar gemacht: die Nachhallzeit vorher
Die zentrale Messgröße der Raumakustik ist die Nachhallzeit (T, oft als T60). Sie beschreibt, wie lange ein Geräusch braucht, um nach dem Verstummen der Schallquelle um 60 Dezibel abzuklingen – also praktisch unhörbar zu werden. Je länger sie ist, desto stärker überlagern Reflexionen den eigentlichen Direktschall und desto schlechter wird die Sprachverständlichkeit. Wie man sie ermittelt, erklären wir Schritt für Schritt unter Nachhallzeit messen und berechnen.
Als Orientierung dient die DIN 18041 („Hörsamkeit in Räumen“). Für Räume mit Sprachkommunikation – Gruppe A, zu der Besprechungs- und Konferenzräume gehören – werden volumenabhängige Soll-Nachhallzeiten definiert. Für einen Konferenzraum dieser Größe liegt der Zielwert grob im Bereich 0,4 bis 0,6 Sekunden. Die Empfehlungen beziehen sich vor allem auf den sprachrelevanten Frequenzbereich von etwa 250 bis 2000 Hz.
Die Phoneon-Praxismessung im unbehandelten Raum ergab folgendes Bild über das Frequenzband (Herstellerangabe, gerundet):
| Frequenzbereich | Nachhallzeit (ohne Absorber) | DIN-18041-Zielkorridor |
|---|---|---|
| tiefe Frequenzen (63–250 Hz) | ca. 1,6 s | ~0,4–0,6 s (mit Nachsicht im Bass) |
| mittlere Frequenzen (250–2000 Hz) | ca. 1,6 s | 0,4–0,6 s |
| hohe Frequenzen (2000–8000 Hz) | deutlich über Ziel | 0,4–0,6 s |
Mit rund 1,6 Sekunden in den tiefen und mittleren Lagen lag die gemessene Nachhallzeit beim Mehrfachen des Zielwerts. Praktisch bedeutet das: Jedes gesprochene Wort hallt deutlich nach, das nächste Wort „startet“ akustisch noch im Echo des vorherigen – und genau dieser Schleier macht Sprache anstrengend und über Mikrofon oft kaum verständlich.
Die Maßnahme
Für einen Raum dieser Größe gibt es verschiedene Wege: Akustikdecken, Deckensegel, Wandabsorber. Diese flächigen Lösungen wirken zuverlässig im mittleren und hohen Frequenzbereich. Ihre bekannte Schwäche liegt jedoch im Bass: Unterhalb von etwa 300 Hz greifen poröse, flächige Absorber laut Hersteller deutlich schlechter, weil sie für die langen Wellenlängen tiefer Töne zu dünn sind.
Im Fallbeispiel kam der Phoneon Sound Butler zum Einsatz – ein freistehender Stand-Schallabsorber aus Filz, in Manufaktur gefertigt, Made in Germany. Anders als ein reiner Porenabsorber arbeitet er nach Herstellerangabe zusätzlich als Resonanzabsorber und greift damit bis in den Bassbereich unter 300 Hz – also genau dort, wo Deckensegel und Wandpaneele an ihre Grenzen kommen. Der praktische Vorteil: Als freistehendes Element braucht er keine Montage an Decke oder Wand und lässt sich dort platzieren, wo der Schall entsteht.
Für den 25-m²-Raum empfiehlt der Hersteller 2× tbox TP35. Diese Konfiguration wurde der Nachher-Messung zugrunde gelegt.
Das Ergebnis: Nachhallzeit nachher
Nach dem Aufstellen der beiden Absorber wiederholte Phoneon die Messung über das gesamte Frequenzband von 63 bis 8000 Hz. Das Ergebnis laut Hersteller:
| Zustand | Nachhallzeit (tief/mittel) | Bewertung |
|---|---|---|
| ohne Sound Butler | ca. 1,6 s | weit über Zielkorridor – halliger, anstrengender Raum |
| mit 2× tbox TP35 | ca. 0,6 s | im Zielbereich guter Sprachverständlichkeit |
Die Nachhallzeit sank von rund 1,6 auf etwa 0,6 Sekunden – eine Reduktion um rund zwei Drittel – und das durchgängig über das Frequenzband, einschließlich des kritischen Bassbereichs. Damit erreicht der Raum laut Messung den Korridor, den die DIN 18041 für gute Hörsamkeit in Sprachräumen ansetzt. Noch einmal zur Einordnung: Diese Werte sind eine Praxismessung des Herstellers, kein unabhängiges Prüfgutachten – die Größenordnung der Verbesserung ist aber konsistent mit dem, was akustisch zu erwarten ist, wenn schallharte Flächen durch wirksame Absorption ergänzt werden.
Was das für Meetings und Videokonferenzen bedeutet
Der akustische Unterschied zwischen 1,6 und 0,6 Sekunden ist im Alltag sofort hörbar:
- Präsenz-Meetings: Sprache wird klarer, auch wenn mehrere Personen nacheinander sprechen. Die Stimme muss nicht gegen den eigenen Nachhall „ankämpfen“, was die Höranstrengung über die Dauer eines Meetings spürbar senkt.
- Videokonferenzen: Hier zahlt sich Absorption doppelt aus. Mikrofone nehmen nicht nur den Sprecher auf, sondern auch jede Reflexion. In einem halligen Raum klingt das, was vor Ort noch verständlich wirkt, am anderen Ende oft „badewannig“ und distanziert. Weniger Nachhall heißt mehr Direktschall im Verhältnis zu den Reflexionen – und damit eine deutlich saubere Übertragung für die zugeschalteten Teilnehmer.
- Hybride Formate: Gerade die Mischung aus Raum- und Remote-Teilnehmern profitiert, weil die Verständlichkeit für beide Seiten gleichzeitig steigt.
Wer dieses Szenario für die eigenen Räume konkret durchplanen möchte, findet weiterführende Praxistipps unter Wie optimiere ich den Raumklang in Meetingräumen?.
Häufige Fragen
Wie viele Absorber braucht ein 25-m²-Konferenzraum?
In dieser Fallstudie reichten laut Herstellerempfehlung 2× tbox TP35, um die Nachhallzeit in den Zielbereich von etwa 0,6 Sekunden zu bringen. Der genaue Bedarf hängt von Raumhöhe, Bodenbelag, Verglasung und Möblierung ab – ein Parkettraum ohne Vorhang braucht mehr Absorption als ein Raum mit Teppich und textilen Flächen.
Warum reicht ein Deckensegel allein oft nicht aus?
Flächige Lösungen wie Deckensegel und Wandpaneele wirken vor allem im mittleren und hohen Frequenzbereich. Im Bass unterhalb von etwa 300 Hz greifen sie nach Herstellerangabe deutlich schlechter, weil sie für die langen Wellenlängen tiefer Töne zu dünn sind. Ein Resonanzabsorber wie der Sound Butler ergänzt hier genau den Bereich, der sonst unbehandelt bleibt.
Welche Nachhallzeit ist für einen Konferenzraum ideal?
Die DIN 18041 setzt für Sprachräume dieser Größe einen Zielkorridor von etwa 0,4 bis 0,6 Sekunden an, bezogen vor allem auf den Frequenzbereich 250 bis 2000 Hz. Im Bass erlaubt die Norm einen moderaten Anstieg, ohne dass die Hörsamkeit im Regelfall leidet. Werte deutlich über 1 Sekunde gelten als hallig und sprachverständlichkeits-kritisch.
Sind die genannten Zahlen unabhängig geprüft?
Nein. Die Vorher-/Nachher-Werte (1,6 s → 0,6 s) stammen aus einer Praxismessung des Herstellers Phoneon im konkreten Raum. Sie sind als Erfahrungswerte zu verstehen, nicht als unabhängiges akustisches Gutachten. Die zugrunde liegenden Normen (DIN 18041) und der physikalische Zusammenhang von Nachhallzeit und Sprachverständlichkeit sind dagegen allgemein anerkannt.
Fazit
Der 25-m²-Konferenzraum ist ein gutes Lehrstück: hochwertig eingerichtet, aber akustisch unterversorgt – und das ohne dass man es dem Raum ansieht. Die Phoneon-Praxismessung zeigt, dass sich die Nachhallzeit von rund 1,6 auf etwa 0,6 Sekunden senken lässt und der Raum damit in den Zielbereich guter Sprachverständlichkeit rückt – über das gesamte Frequenzband, inklusive des Basses, der flächigen Lösungen Probleme bereitet. Wenn Ihre Meetings regelmäßig anstrengender sind als ihr Inhalt es rechtfertigt, lohnt der Blick auf die Akustik. Der Phoneon Sound Butler ist eine von mehreren Möglichkeiten, gezielt dort anzusetzen, wo der Schall entsteht – ohne Umbau, freistehend und im Bassbereich wirksam.